16. June 2026
Der demokratische Machtmissbrauch

Der demokratische Machtmissbrauch

16.06.2026 45 min 249

Die Psychologie der Macht und das Zeugnis der Geschichte

von Dawid Snowden


Tiefenanalyse
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Inhalt

Erster Teil — Das Fundament: Die Psychologie des Machtmissbrauchs

  1. Warum der Missbrauch sich selbst belohnt
  2. Die Erosion der Hemmung
  3. Der Reiz der Macht
  4. Die Ausweitung ohne Grenze
  5. Die Rechtfertigung
  6. Die Herstellung des Feindes
  7. Der gewöhnliche Mensch

Zweiter Teil — Die Hand

  1. Die Hand, die ausführt
  2. Der Griff nach dem Kind

Dritter Teil — Das Zeugnis der Geschichte

  1. Geschichte als Beweis
  2. Der lebende Gott
  3. Mögen sie hassen
  4. Die Statistik
  5. Die Revolution frisst ihre Kinder
  6. Das Jahr Null
  7. Wozu der Mensch bereit ist

Vierter Teil — Die Verantwortung

  1. Die Verwechslung von Erfolg und Recht

Schlusswort: Kein Titel spricht dich frei


Erster Teil — Das Fundament: Die Psychologie des Machtmissbrauchs

1. Warum der Missbrauch sich selbst belohnt


Wenn eine Regierung oder eines ihrer ausführenden Organe Menschen beraubt, entrechtet, einschüchtert oder unter Druck setzt und mit diesem Vorgehen Erfolg hat, stellt sich unausweichlich eine Frage, der die meisten lieber ausweichen. Warum sollte eine Macht von etwas ablassen, das ihr nützt? Die Antwort verlangt keinen Blick in finstere Charaktere, sondern in ein nüchternes Gesetz des Verhaltens. Was belohnt wird, wiederholt sich.


Erzielt eine Herrschaft durch Zwang, Druck oder Einschüchterung mehr Kontrolle, mehr Mittel oder mehr Sicherheit, dann verbucht sie dieses Vorgehen nicht als Fehler, sondern als bewährtes Werkzeug zur Durchsetzung ihrer Interessen. Aus der Sicht der Handelnden bestätigt jeder Erfolg die Richtigkeit der Methode, und der greifbare Nutzen überlagert jeden Einwand des Gewissens wie jede Sorge um die langfristigen Folgen für die Betroffenen.


Mit jeder gelungenen Anwendung gräbt sich das Muster tiefer ein. Was als Ausnahme begann, wird zur Gewohnheit, die Gewohnheit reift zur Strategie, und die Strategie verwächst schließlich so vollständig mit dem System, dass sie von ihm nicht mehr zu trennen ist. Solange der Aufwand gering und der Ertrag hoch bleibt, fehlt jeder Anlass zur Umkehr. Der Erfolg wirkt im Gegenteil wie eine Belohnung und festigt die Überzeugung, dass genau so auch in Zukunft zu verfahren sei.


Deshalb endet Machtmissbrauch nur selten aus sich selbst heraus. Er gerät erst ins Wanken, wenn die erwarteten Vorteile ausbleiben, wenn der Preis steigt oder wenn ein Widerstand entsteht, der sich nicht mehr übergehen lässt. Solange ein System für seine Nutznießer funktioniert, trägt es den Keim seiner eigenen Fortdauer in sich und wiederholt unermüdlich jene Handgriffe, die seinen Bestand sichern.

2. Die Erosion der Hemmung


Diesem Befund steht eine menschliche Tatsache gegenüber, die das Ganze erst erklärungsbedürftig macht. Die meisten Menschen tragen eine natürliche Hemmung in sich, anderen Leid zuzufügen. Sie entspringt der Erziehung und dem Mitgefühl, vor allem aber der Fähigkeit, sich in einen anderen hineinzuversetzen und sein Leid beinahe als eigenes zu empfinden, und sie bildet die eigentliche Schranke gegen Gewalt und Grausamkeit. Wenn ganze Apparate dennoch zuverlässig Unrecht vollstrecken, dann nur, weil sich diese Schranke unter bestimmten Bedingungen absenken und am Ende überwinden lässt.


Der erste Hebel dazu ist die Hierarchie. Wo sie streng genug gebaut ist, ersetzt sie das eigene Urteil durch den Gehorsam, und der Mensch wird darauf trainiert, Anweisungen auszuführen, ohne ihre sittlichen Folgen noch fortwährend zu prüfen. Der zweite Hebel ist die schrittweise Distanzierung vom Gegenüber. Je weniger ein Mensch als fühlendes Wesen mit eigenen Hoffnungen und Ängsten erscheint, desto leichter rechtfertigt sich, was man unter anderen Umständen abgelehnt hätte. Aus einem Menschen wird in der Wahrnehmung ein Fall, und ein Fall hat kein Gesicht, sondern nur eine Nummer und einen Vorgang, der bearbeitet werden will.


Was anfangs noch inneren Widerstreit und Schuldgefühl auslöst, schleift sich durch Wiederholung zur Routine ab. Wird der Gehorsam belohnt und der Widerspruch bestraft, verfestigt sich das Verhalten von selbst, und die Aufmerksamkeit verschiebt sich von den Folgen für die Betroffenen auf die bloße Erfüllung der Aufgabe. Hinzu tritt schließlich die Gewöhnung an fremdes Leid. Wer dauernd mit Zwang und Konflikt umgeht, stumpft ab, ein Vorgang, den die Psychologie Desensibilisierung nennt, und das einzelne Schicksal erschüttert dann nicht mehr wie zu Beginn.


So entsteht ein Zustand, in dem Menschen Dinge tun, die sie außerhalb ihres Systems niemals erwogen hätten. Nicht weil sie über Nacht grausamer geworden wären, sondern weil die Strukturen, in denen sie stehen, ihre Wahrnehmung, ihren Verantwortungssinn und ihren sittlichen Maßstab unmerklich verschoben haben. Schwere Übergriffe beginnen darum fast nie mit einem einzigen großen Schritt. Sie reifen in einem schleichenden Verlauf aus Gewöhnung, Rechtfertigung und Abstumpfung heran, und je länger dieser Verlauf andauert, desto leichter fällt es, fortzusetzen, was man früher selbst verurteilt hätte.

3. Der Reiz der Macht


Für manche liegt der eigentliche Lohn ihres Handelns nicht im materiellen Vorteil, sondern in der Erfahrung, über andere bestimmen zu können. Anweisungen zu erteilen, Gehorsam einzufordern und tief in das Leben anderer einzugreifen, entfaltet auf bestimmte Naturen eine starke Anziehung. Wer erlebt, dass Menschen aus Furcht, Abhängigkeit oder Sorge vor Konsequenzen gehorchen, zieht daraus ein Gefühl der Überlegenheit, das wie eine Belohnung wirkt.


Mit der Zeit kann dieses Gefühl selbst zum Antrieb werden. Es entsteht eine Form psychologischer Abhängigkeit, in der die Ausübung von Kontrolle nicht mehr Mittel zum Zweck ist, sondern Zweck an sich. Dann geht es längst nicht mehr allein um Geld, Besitz oder Aufstieg, sondern um die Befriedigung, den eigenen Willen gegen den Willen anderer durchzusetzen. Die Verfügung über andere und die Lenkung ihres Verhaltens werden als Beweis der eigenen Bedeutung erlebt. Macht wirkt in dieser Hinsicht wie andere Belohnungssysteme auch. Sie schenkt Anerkennung, Status und Erregung, und je öfter dieses Erleben eintritt und je seltener es hinterfragt wird, desto fester bindet es.


Gestützt wird dieser Mechanismus durch handfeste Vorteile. Privilegien, soziale Geltung, finanzielle Sicherheit und der Schutz durch eine Organisation sorgen dafür, dass fragwürdiges Verhalten nicht nur weiterläuft, sondern als gerechtfertigt erscheint. Wird ein Verhalten belohnt statt geahndet, entsteht ein Klima, in dem Missbrauch gedeiht. Und gerade darin zeigt sich, dass Macht nicht nur korrumpiert, sondern auch die Wahrnehmung verändert. Wer sich daran gewöhnt, über andere zu verfügen, läuft Gefahr, in ihnen keine gleichwertigen Menschen mehr zu sehen, sondern Objekte administrativer, politischer oder persönlicher Einflussnahme. Je weiter das fortschreitet, desto größer wird der Abstand zwischen den Handelnden und den Folgen ihres Handelns.

4. Die Ausweitung ohne Grenze


Besonders gefährlich wird die Lage, sobald der Missbrauch auf keine spürbare Folge mehr trifft. Werden Übergriffe und Formen der Willkür dauerhaft hingenommen und bleiben die Verantwortlichen unbehelligt, entsteht rasch der Eindruck, es gebe überhaupt keine wirksame Schranke mehr. Macht versteht sich dann nicht länger als Verantwortung, sondern als Freibrief zur Ausdehnung der eigenen Spielräume.


Gleichzeitig neigen Institutionen dazu, ihre eigene Struktur zu schützen, und die Mittel dazu sind so zahlreich wie wirksam. Kritik wird entwertet, Widerspruch moralisch verdächtigt und jede abweichende Position als Gefahr für die bestehende Ordnung gezeichnet. Wer den Mächtigen zu deutlich widerspricht, sieht sich rasch den Werkzeugen des Staates gegenüber. Das Strafrecht ahndet die Beleidigung dessen, der ein Amt bekleidet, härter als die des gewöhnlichen Bürgers, und gegen den unbequemen Kritiker laufen Ermittlungen an, wird die Wohnung durchsucht und werden Geräte beschlagnahmt, weniger um etwas aufzuklären als um ein Zeichen zu setzen. Die Rechtsprechung kennt für diese Wirkung einen treffenden Namen, den der abschreckenden Wirkung, denn nicht die wenigen Getroffenen sind das eigentliche Ziel, sondern die vielen, die nun aus Furcht vor demselben Schicksal künftig schweigen.

Ebenso lässt sich der Protest selbst beschneiden, ohne ihn offen zu verbieten. Es genügt, einer Versammlung Auflagen zu erteilen, bestimmte Worte, Lieder oder Zeichen zu untersagen und die Teilnehmer mit der Aussicht auf ein Verfahren zu überziehen, bis von der Freiheit, sich zu versammeln und zu äußern, nur noch die genehmigte Hülle bleibt. Wer einem Menschen vorschreibt, was er auf der Straße rufen, singen oder tragen darf, nimmt ihm das älteste Mittel, mit dem ein Volk sich je gegen die Willkür der Mächtigen gewehrt hat, und er nimmt es ihm im Namen genau jener Ordnung, deren Fehler er nicht laut werden lassen will.


Am leisesten aber wirkt das Wort, mit dem man den Überbringer der Kritik kennzeichnet, noch ehe man seine Kritik gehört hat. Die Propagandaforschung nennt diese Technik seit fast einem Jahrhundert das Etikettieren und beschreibt sie als das Anheften eines schlechten Namens, der eine Aussage verwerfen lässt, ohne dass je geprüft wird, ob sie zutrifft. Die Logik kennt denselben Kunstgriff als das Vergiften der Quelle, einen Angriff auf den Sprecher, der jedes seiner künftigen Worte im Voraus entwertet. Ein Mensch, den man erst zum Spinner, zum Querulanten, zum Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger erklärt hat, muss nicht mehr widerlegt werden, denn niemand hört ihm noch zu. Am schärfsten schneidet das Etikett dort, wo es ein Wort borgt, das ein wirkliches Übel benennt, denn dann verleiht die Schwere der echten Sache der bloßen Behauptung ihr ganzes Gewicht, und die Anklage bedarf keines Beweises mehr. So lässt sich ein unbequemer Mensch gesellschaftlich erledigen, ohne dass je gefragt würde, ob er recht hat, und die Übrigen wenden sich von ihm ab, aus Furcht, dasselbe Etikett zu erben.


So entsteht ein Umfeld, in dem grundlegende Veränderung immer schwerer fällt, weil derjenige, der das System hinterfragt, vom Störer zum Extremisten und schließlich zum Staatsgefährder erklärt wird, während die Machtstruktur selbst unangetastet bleibt. Es ist dieselbe uralte Figur, die das alte Rom den Staatsfeind und die Sowjetunion den Volksfeind nannte, nun in das nüchterne Vokabular der Gegenwart gekleidet. Der Mensch aber richtet sein Verhalten nach den Grenzen, die man ihm setzt, und wo eine Grenze nicht durchgesetzt wird, verschiebt sie sich Schritt für Schritt. Aus kleinen Eingriffen werden große, aus begrenzten Befugnissen umfassende Kontrollansprüche, und jede gelungene Überschreitung schafft den Anreiz für die nächste.


Daraus erwächst eine gefährliche Selbstüberschätzung. Machtträger beginnen zu glauben, sie seien klüger, überlegen, beinahe unantastbar. Sie verwechseln die Stärke ihrer Institution mit persönlicher Größe und deuten den ausbleibenden Widerstand als Zustimmung oder als Schwäche der Beherrschten. Je fester diese Überzeugung wächst, desto näher rückt die Eskalation, denn die Bereitschaft steigt, immer tiefer in das Leben anderer einzugreifen, neue Vorschriften zu erlassen und zusätzliche Kontrollen zu errichten. Was als Notmaßnahme begann, wird zum dauerhaften Herrschaftsinstrument. Macht, die nicht begrenzt wird, neigt zur Ausweitung, und nicht zwingend aus Bosheit, sondern weil die Erfahrung lehrt, dass die Grenzen sich offenbar verschieben lassen. Gerade darum sind Kontrolle, Rechenschaft und die Fähigkeit einer Gesellschaft, Macht zu hinterfragen, für jede freie Ordnung von tragender Bedeutung.

5. Die Rechtfertigung


Nur die wenigsten Menschen halten sich selbst für böse. Wer Macht ausübt oder ein bestehendes System trägt, sucht deshalb nach Erklärungen, die sein Handeln vor dem eigenen Gewissen rechtfertigen. Verwiesen wird auf Gesetz, Tradition, Institution oder Ideologie, und das eigene Tun erscheint dann nicht mehr als persönliche Wahl, sondern als notwendige Pflicht. Die Verantwortung wandert an Vorschrift und Autorität, und der Einzelne sagt sich, er habe lediglich erfüllt, was von ihm erwartet wurde. Die Frage verschiebt sich von der Prüfung, ob etwas richtig sei, hin zu der bequemeren Prüfung, ob es erlaubt oder gar vorgeschrieben sei.


Die Psychologie nennt diesen Vorgang Rationalisierung und Auflösung kognitiver Dissonanz. Entsteht ein Bruch zwischen dem Selbstbild des anständigen Menschen und der eigenen Tat, dann verändert das Denken lieber die Deutung der Tat als das Bild von sich selbst. Aus dem Täter wird in der eigenen Wahrnehmung ein Pflichterfüller, der die bestehende Ordnung verteidigt und einem höheren Zweck dient. Häufig wird den Betroffenen die Schuld zugeschoben, sie hätten ihr Schicksal verdient, gegen Regeln verstoßen oder es nicht anders gewollt, und wer sich ganz absichern will, beruft sich darauf, jeder andere würde unter denselben Umständen genauso handeln. Solche Erzählungen senken das Schuldgefühl und bewahren das geschonte Selbstbild.


Genau hier liegt die Gefahr ideologischer Systeme, denn sie liefern die fertigen Rechtfertigungen frei Haus. Je stärker sich ein Mensch mit einer Lehre, einer Institution oder einer Autorität identifiziert, desto müheloser hält er deren Handeln für legitim und blendet den eigenen Zweifel aus. Besonders unverrückbar wird diese Haltung, wenn die Ordnung als alternativlos erscheint, denn wo keine Alternative gedacht werden darf, gilt selbst der offensichtliche Missstand als unvermeidlicher Bestandteil des Lebens. So schließt sich ein Kreis gegenseitiger Bestätigung. Die Mächtigen rechtfertigen ihr Tun mit der bestehenden Ordnung, und die Beherrschten gewöhnen sich an die Verhältnisse, bis auch sie an deren Unveränderlichkeit glauben. Was man hinterfragen könnte, gilt zunehmend als normal. Darin liegt eine der größten Stärken jeder Herrschaft, denn sie ruht nicht allein auf Zwang, sondern auf der Macht, Überzeugungen zu formen. Veränderung beginnt deshalb selten mit einer Maßnahme und fast immer mit einem Gedanken, mit der Einsicht nämlich, dass die Verhältnisse weder naturgegeben noch unabänderlich sind. Erst in diesem Augenblick verliert die Behauptung der Alternativlosigkeit ihre Gewalt.

6. Die Herstellung des Feindes


Bis hierhin war von jenen die Rede, die Macht ausüben. Doch keine Herrschaft kommt mit den Tätern allein aus, sie braucht ein Volk, das mitträgt, zusieht oder beifällig schweigt, und dieses Volk wird nicht in erster Linie mit Gewalt gewonnen, sondern mit Bildern. Die meisten Menschen reagieren niemals auf die Welt selbst, sondern auf das Bild, das man ihnen von ihr in den Kopf gesetzt hat. Walter Lippmann hat diese Scheinwelt aus Schlagworten und festen Vorstellungen beschrieben, die sich zwischen den Menschen und die Wirklichkeit schiebt, und er prägte zugleich den Begriff der Herstellung von Zustimmung. Edward Bernays verwandelte diese Einsicht in ein Handwerk und nannte die bewusste, planvolle Lenkung der Meinungen und Gewohnheiten der Masse eine unsichtbare Regierung, die in Wahrheit herrsche. Wer die Bilder beherrscht, muss die Köpfe nicht mehr zwingen. Er richtet sie ein.


Die Wirkung beruht auf Mechanismen, die jeder Mensch in sich trägt. Was ständig vor Augen steht, erscheint dem Denken häufiger, wahrscheinlicher und damit wahrer, ein Kurzschluss, den Daniel Kahneman als Verfügbarkeitsheuristik beschrieben hat, denn das Gehirn verwechselt Vertrautheit mit Richtigkeit. Hinzu tritt der Druck der vermeintlichen Mehrheit. Elisabeth Noelle-Neumann hat gezeigt, wie ein Mensch verstummt, sobald er seine Meinung für die unterlegene hält, und wie das laut Verkündete dadurch immer lauter und das Verschwiegene immer leiser wird, bis am Ende eine Stimmung herrscht, die niemand geprüft, aber kaum jemand mehr zu bestreiten wagt. Solomon Asch hat im Versuch nachgewiesen, dass Menschen sogar das eigene Augenzeugnis verleugnen, nur um einer sichtbaren Mehrheit nicht zu widersprechen. So genügt es oft, eine Übereinstimmung zu behaupten und beharrlich zu wiederholen, damit sie sich von selbst herstellt.


Das wirksamste aller Bilder aber ist nicht das Lob der eigenen Sache, sondern der Entwurf eines Feindes. Jacques Ellul hat erkannt, dass Propaganda den Einzelnen erst dann ganz erfasst, wenn sie seinen Hass auf ein Ziel richtet, denn der Hass verleiht dem Leben eine Richtung und der Masse einen Zusammenhalt. Henri Tajfel hat im Versuch gezeigt, wie wenig dafür nötig ist, dass schon die bloße Einteilung in zwei Gruppen genügt, um die eigene zu erhöhen und die fremde geringzuschätzen. Muzafer Sherif sah dasselbe im Feld, als er Jungen in einem Ferienlager allein durch den Zufall in zwei Lager teilte und aus Spielkameraden binnen Tagen verfeindete Gruppen wurden, die einander mit echtem Hass begegneten. Und Gordon Allport hat die Treppe beschrieben, auf der diese Geringschätzung emporsteigt, von der herabsetzenden Rede über die Meidung und die Benachteiligung bis zur Gewalt und an ihrem obersten Ende zur Vernichtung. Die erste Stufe ist immer das Wort. Bevor ein Mensch dem anderen die Hand an die Kehle legt, hat die Sprache ihm längst den Namen genommen.


Genau hier verrichtet die Sprache ihr stillstes und gefährlichstes Werk. Albert Bandura hat beschrieben, dass dem Gewaltakt die Entmenschlichung des Opfers vorausgeht, und nichts entmenschlicht leiser als ein sorgfältig gewähltes Wort. Eine Regierung, die man verächtlich machen will, heißt fortan nicht mehr Regierung, sondern Regime. Ihre Bürger sind keine Menschen mehr, sondern eine Masse von Verblendeten oder von Opfern, die man zu befreien vorgibt. Ihre Anführer sind keine Politiker mehr, sondern Tyrannen, deren Sturz angeblich jedes Mittel heiligt. Dieselbe Tat, dasselbe Amt, dasselbe Vorgehen trägt einen Namen, wenn der Freund es begeht, und einen anderen, wenn der Feind es tut. Dieses zweierlei Maß der Begriffe ist keine Nachlässigkeit der Sprache, sondern ihre Bewaffnung. Es bereitet leise den Boden, auf den später die Geschosse fallen dürfen, ohne dass jemand noch Mitgefühl empfindet, denn man hat ihm das Gegenüber zuvor aus der Menschheit herausdefiniert.


Den tiefsten Dienst aber leistet der erfundene Feind nach innen. Solange Furcht und Wut eines Volkes nach außen zeigen, auf einen fremden Staat oder einen fremden Glauben, richten sie sich nicht nach oben, gegen die eigene Herrschaft. Der äußere Feind ist das älteste Mittel, ein Volk an eine Macht zu binden, die es ausbeutet, weil der Hass auf den Fremden sich anfühlt wie Treue zur Heimat. So spaltet man die Menschheit in Lager, die einander bekämpfen, während jene, die die Lager geschaffen haben, ungestört bleiben. Damit schließt sich der Kreis zu allem Vorigen. Nero brauchte seine Christen, und jede Macht nach ihm hat ihre eigenen gebraucht. Der Feind wird nicht gefunden, er wird hergestellt, und er entsteht nicht im Herzen des Hassenden, sondern in der Werkstatt derer, die vom Hass leben. Wer den gemachten Feind als ein Gemachtes durchschaut, nimmt sich ein Stück seiner Wahrnehmung zurück, und mit ihr ein Stück seiner Freiheit.

7. Der gewöhnliche Mensch


Es wäre ein Trost, ließe sich all das einer Handvoll kranker oder fanatischer Naturen zuschreiben. Doch die meisten, die an schädlichen Machtstrukturen mitwirken, sind weder das eine noch das andere. Es sind gewöhnliche Menschen, die gelernt haben, dass bestimmte Verhaltensweisen ihnen Vorteile bringen, und deren Hemmungen durch Gewöhnung, Rechtfertigung und institutionelle Bestätigung schrittweise abgeschliffen wurden. Ihr Handeln folgt einer schlichten Rechnung. Solange der wahrgenommene Nutzen den Nachteil übersteigt, fehlt der Anreiz zur Änderung. Wer durch sein Tun Macht, Status, Sicherheit oder Anerkennung gewinnt und keine Folgen zu fürchten hat, wird fortfahren. Erst wenn der Preis steigt, wenn Verlust droht, wenn die Gesellschaft ächtet oder das Recht zugreift, beginnt das Umdenken.


Daneben prägen Persönlichkeit und Herkunft, welche Rolle ein Mensch in dieser Mechanik einnimmt. Menschen unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit zum Mitgefühl, in ihrem Bedürfnis nach Macht und in ihrem Verhältnis zur Autorität. Die einen suchen Einfluss und Kontrolle, die anderen neigen zu Kooperation und Rücksicht. Wer überdies in einem Umfeld aufwächst, in dem Härte, Autoritätsgläubigkeit und die Geringschätzung anderer als selbstverständlich gelten, übernimmt solche Muster oft, ohne es zu bemerken. Werte und Verhaltensweisen werden über Generationen weitergereicht und durch Familien, Institutionen und gesellschaftliche Normen verstärkt.


So bilden sich Strukturen, die bestimmtes Verhalten belohnen und anderes bestrafen, und die Menschen passen sich nicht nur aus Überzeugung an, sondern auch aus Eigeninteresse. Auf diese Weise stabilisieren sich Systeme über lange Zeiträume von selbst, weil die Beteiligten ihre Rollen verinnerlicht haben und einander fortwährend bestätigen. Die eigentliche Gefahr liegt darum nicht im einzelnen Menschen, sondern im Zusammenspiel von Macht, Rechtfertigung, Gewöhnung und Belohnung. Wo diese vier zusammentreffen, tragen und vollstrecken Menschen ein Unrecht, das sie außerhalb ihres Systems niemals geduldet hätten. Wer das begreifen will, darf nicht länger nach dem Ungeheuer suchen. Er muss den Nachbarn ansehen und den pflichtbewussten Beamten, und am Ende muss er in den Spiegel sehen.


Zweiter Teil — Die Hand

8. Die Hand, die ausführt


Ein System besitzt keine Hände. Es unterschreibt keine Verfügung, es bricht keine Tür auf, es nimmt kein Kind aus dem Arm seiner Mutter und es legt keinem Menschen die Fessel an. Wann immer von einem System die Rede ist, das beraubt und zerstört, verbirgt sich hinter diesem bequemen Wort ein Mensch aus Fleisch, mit einem Namen, einem Gewissen und der jederzeit gegebenen Möglichkeit, innezuhalten. Der Apparat ist eine Fiktion, hinter der sich der Einzelne versteckt, und das Studium der Macht beginnt erst, wenn man diese Fiktion zerschlägt und fragt, wer die Hand führt.


Philip Zimbardo führte mit dem Stanford-Gefängnis-Experiment vor, wie wenig es dazu braucht. Gewöhnliche Studenten, durch bloßen Zufall zu Wärtern bestimmt und in eine Uniform gesteckt, die ihr Gesicht verbarg, glitten binnen weniger Tage in eine solche Grausamkeit ab, dass der Versuch vorzeitig abgebrochen werden musste. Nicht ihr Charakter hatte sich über Nacht verfinstert, sondern die Lage hatte ihnen Macht über andere gegeben und ihnen zugleich eingeredet, nicht sie selbst, sondern die Rolle handle. Genau das braucht jede Herrschaft, die von Menschen getragen wird, die unter anderen Umständen nicht bereit wären, das Verlangte zu tun. Sie braucht den Menschen, der hinter seiner Rolle verschwindet und die Verantwortung für sein Tun bei ihr zurücklässt.


Der Polizist verkörpert diese Verschiebung in ihrer reinsten Form. Er erhält einen Befehl, und der Befehl löst ihn von der Frage, ob das Verlangte richtig sei. Wenn er eine Versammlung räumt oder eine Wohnung betritt, deren Bewohner niemandem Unrecht getan hat, sagt er sich, er führe nur aus, was angeordnet wurde. Die berühmteste Entschuldigung der Geschichte besteht aus wenigen Worten, man habe lediglich Befehle befolgt. Doch die Hand am Schlagstock gehört ihm, nicht dem Befehl, denn der Befehl hat keine Finger. An den Polizisten richtet sich deshalb die erste unbequeme Frage. In dem Augenblick, in dem du gegen einen Menschen vorgehst, der niemandem geschadet hat, bist nicht du das Werkzeug der Ordnung, sondern die Ordnung benutzt deine Muskeln und deine Bereitschaft, nicht hinzusehen.


Wo der Polizist die Nähe sucht, sucht der Soldat die Entfernung. Der Militärpsychologe Dave Grossman hat gezeigt, dass die natürliche Tötungshemmung mit jeder Stufe der Distanz sinkt, dass der Mensch von Angesicht zu Angesicht zögert, aus der Ferne aber mit ruhiger Hand auslöst. Albert Bandura nannte diesen Vorgang die moralische Entkopplung, die gedankliche Verwandlung eines fühlenden Wesens in ein Ziel, in eine Position auf einer Karte. Der Soldat, der einen Angriff aus tausend Kilometern Entfernung steuert, sieht kein Gesicht und kehrt am Abend nach Hause zurück. Die Entfernung tut für ihn, was der Apparat für den Polizisten tut, sie nimmt der Tat ihr Gesicht. An ihn richtet sich der Maßstab, den Kant der Menschheit hinterlassen hat, dass kein Mensch je bloßes Mittel sein darf, sondern stets zugleich Zweck bleibt.


Der Richter braucht weder Nähe noch Ferne, ihm genügt das Gesetz. Sein Mechanismus ist die Verlagerung der Verantwortung, die in keinem Beruf so vollendet auftritt wie in der Rechtsprechung. Er zerstört Existenzen mit der Feder und fühlt sich rein, weil er nicht entschieden, sondern nur angewandt habe. Das Gesetz hat befohlen, die Schuld liege beim Paragraphen. Gegen diese Flucht hat Gustav Radbruch seine Formel gerichtet, dass das gesetzte Recht dort, wo es die elementare Gerechtigkeit unerträglich verletzt, zum gesetzlichen Unrecht wird und aufhört, Recht zu sein. Die Robe ist kein Schutzschild gegen das eigene Gewissen, sie ist nur ein Stoff. Wer den Unterschied zwischen dem, was erlaubt war, und dem, was gerecht ist, nicht mehr fühlt, hat aufgehört, Richter zu sein, und ist zum Schreibwerkzeug der Herrschaft geworden.


Hinter diesen drei aber steht ein viel größeres, viel stilleres Heer, das niemals eine Waffe berührt und gerade deshalb am gefährlichsten ist. In der Bürokratie verliert sich die Verantwortung vollends, denn dort bewegt jeder nur ein Rädchen, und keiner verantwortet das Ganze. Max Weber sah dieses stahlharte Gehäuse voraus, in dem der Mensch zur Akte und zur Vorgangsnummer wird. Der Finanzbeamte fühlt sich an keinem Verbrechen beteiligt, wenn er einer Familie das Letzte pfändet, denn er hat nur eine Mahnung verschickt und eine Frist gesetzt. Jeder Handgriff erscheint harmlos, und in dieser Zerlegung der Tat in unschuldige Teilschritte liegt das Geheimnis des bürokratischen Gewissens. Niemand hat den Menschen ruiniert, alle haben nur ihre Aufgabe erfüllt, doch die Summe vieler gewissenloser Teilschritte ergibt dieselbe zerstörte Existenz wie ein einziger bewusster Schlag.


Am tiefsten verkehrt sich der Mechanismus dort, wo die Gewalt sich das Gewand der Fürsorge anlegt. Es gibt eine Tyrannei, die zum vermeintlichen Wohl ihrer Opfer ausgeübt wird, und sie ist die erbarmungsloseste von allen, denn der Peiniger, der aus Gewinnsucht handelt, kennt eine Grenze der Sättigung, während der Peiniger, der aus angemaßter Güte handelt, niemals ruht und seine Tat mit der vollen Zustimmung des eigenen Gewissens vollzieht. Man stelle sich eine entgleiste Ordnung vor, die sich weiterhin demokratisch nennt und die ihrem Jugendschutz die Vollmacht gibt, ein Kind aus den Armen seiner Eltern zu reißen, nicht weil ihm jemand Böses wollte, sondern weil ein Vermerk, ein Verdacht, eine Definition es so verlangte. Der Mitarbeiter, der dieses Kind forttrüge, wäre der einzige Täter dieses Buches, der sich keiner Tat bewusst ist, sondern einer Rettung. Er hat das stärkste aller Betäubungsmittel geschluckt, die Überzeugung, ein Helfer zu sein. Wer aus Gier handelt, kann gesättigt werden, wer aus Güte zu zwingen glaubt, kennt keine Sättigung, weil er das Recht des Himmels auf seiner Seite wähnt.


Und dann ist da die kleinste, fast komische Stufe dieser Maschinerie, an der man am deutlichsten begreift, wie grenzenlos der Anspruch der Macht in Wahrheit ist. Étienne de La Boétie hat schon vor fünf Jahrhunderten gefragt, warum Millionen einem Einzigen dienen, und geantwortet, die Knechtschaft sei freiwillig, das Volk schmiede seine Ketten selbst. Nirgends zeigt sich das alberner als beim Ordnungsamt, das eines Morgens vor der Haustür steht und für den Bürgersteig, auf dem man seit der Geburt geht, eine Abgabe verlangt. Erst wird das Parken vor dem eigenen Haus gebührenpflichtig, dann das Halten, dann das bloße Stehen, und wer die Logik dieses Apparats zu Ende denkt, ahnt, dass man eines Tages für die Abnutzung des Pflasters zahlen wird, das man mit den eigenen Schuhen abläuft, sobald die herrschende Klasse es nur ernsthaft genug fordert. Das soll absurd klingen, denn die Absurdität ist hier kein Stilmittel, sondern die nackte Endstufe eines Prinzips. Jede hingenommene Grenzüberschreitung erteilt der nächsten die Erlaubnis, und die Macht macht niemals von selbst dort halt, wo das Anständige aufhört, sondern erst dort, wo der Mensch aufhört, ihr zu gehorchen.


Václav Havel hat dieses Aufhören in das Bild eines Gemüsehändlers gefasst, der jeden Morgen die vorgeschriebene Parole ins Schaufenster stellt, nicht weil er sie glaubt, sondern weil alle es tun und das Unterlassen Ärger bedeutet. Havel nannte es das Leben in der Lüge und zeigte, dass die ganze Herrschaft zu wanken beginnt, sobald ein Einziger das Schild herausnimmt und beschließt, in der Wahrheit zu leben. Was für den Gemüsehändler gilt, gilt für jede Hand, die dieses Buch gezeigt hat. Der Polizist kann den Schlag zurückhalten, so wie noch der geringste Sachbearbeiter den absurden Bescheid zerreißen kann, statt ihn abzuzeichnen, denn keine Stellung im Apparat, die höchste so wenig wie die niedrigste, hebt diese Freiheit jemals auf. Viktor Frankl, der die Hölle der Lager überlebte, nannte es die letzte der menschlichen Freiheiten, jene Freiheit, die eigene Haltung zu wählen, gleichgültig unter welchem Druck. An sie wendet sich dieses Buch, denn der Apparat besitzt keine Hände, und solange das so bleibt, gehört jede Hand, die ihn vollstreckt, einem Menschen, der auch hätte nein sagen können.

9. Der Griff nach dem Kind


Unter allen Händen, die das vorige Kapitel gezeigt hat, ist eine, bei der wir nur kurz verweilt haben und die doch tiefer schneidet als alle übrigen, die Hand, die nach dem Kind greift. Sie verdient eine eigene Betrachtung, weil sich an ihr das Innerste der Macht offenbart. Die Familie ist der letzte Raum, den keine Herrschaft von sich aus betritt, die letzte Treue, die älter ist als jeder Staat und nicht von ihm verliehen wurde. Eben deshalb ist sie das Gebiet, das jede Macht, die vollständige Fügsamkeit verlangt, am Ende erobern will. Wer die Bindung zwischen Eltern und Kind in der Hand hält, hält den Menschen an seiner empfindlichsten Stelle.


Der Gedanke, dass das Kind nicht den Eltern, sondern der Ordnung gehöre, ist so alt wie die Macht selbst. Sparta nahm den Knaben mit sieben Jahren aus dem Haus und übergab ihn der Erziehung des Staates, damit er keinem Vater mehr gehöre, sondern der Stadt. Platon träumte in seinem Entwurf des idealen Gemeinwesens von Wächtern, deren Kinder in Gemeinschaft aufgezogen würden, sodass kein Elternteil das eigene erkenne und alle dem Staat zufielen. Und das Osmanische Reich riss in der Knabenlese über Jahrhunderte christliche Söhne aus den Dörfern, um sie fern der Familie zu seinen treuesten Dienern und Soldaten umzuschmieden. Die Rechnung dahinter war stets dieselbe, dass ein Kind, das die Macht erzieht, der Macht gehört, und dass ein Volk, dem man die Kinder nimmt, sich selbst nicht mehr fortzeugt.


In der Neuzeit trug dieser Griff das Gewand der Fürsorge und der Erziehung. In Australien wurden über Generationen Kinder der Ureinwohner ihren Familien entrissen, um sie der Sprache und der Herkunft ihrer Eltern zu entfremden, und in den Internaten Nordamerikas geschah den Kindern indigener Völker dasselbe. In Argentinien nahm die Militärherrschaft den verschwundenen Gegnern ihre Säuglinge fort und gab sie regimetreuen Familien, als ließe sich der Widerstand bis in die nächste Generation hinein auslöschen. In jedem dieser Fälle war das Kind nicht das eigentliche Ziel, sondern das Werkzeug, und die Botschaft an die Lebenden lautete immer gleich, fügt euch, oder wir nehmen euch, was ihr am meisten liebt. Die Strafe am Kind ist die älteste Geiselnahme der Geschichte, und keine Drohung beugt einen Menschen schneller. Wer für seine Überzeugung zu sterben bereit wäre, widerruft sie, um seine Tochter zu retten. Am Kind zerbricht selbst der Tapferste.


Man könnte meinen, all dies gehöre den Diktaturen und den vergangenen Zeiten. Doch derselbe Hebel liegt auch in Ordnungen bereit, die sich demokratisch nennen und es ernst meinen, und dort trägt der Zugriff nicht das Gesicht des Soldaten, sondern das des Helfers. Eine Schutzbefugnis, geboren aus der wirklichen und notwendigen Aufgabe, Kinder vor echtem Leid zu bewahren, birgt zugleich das gefährlichste Gefälle, das es gibt, denn der Schutz ist die einzige Rechtfertigung, die sich niemals wie ein Übergriff anfühlt. Wo eine Familie sich zu weit vom herrschenden Narrativ entfernt, wo ihre Überzeugungen, ihre Erziehung, ihre Verweigerung sie als abweichend kennzeichnen, kann der schützende Apparat beginnen, Abweichung als Gefährdung zu lesen, und die Wegnahme des Kindes wird zum stillen Druck, der die Familie wieder in die Reihe biegt. Ich behaupte nicht, dass dies die Regel sei. Ich behaupte, dass der Hebel in Reichweite liegt, und die Geschichte lehrt, dass Hebel in Reichweite am Ende gezogen werden. Es ist jene Tyrannei der Güte, von der bereits die Rede war, nun in ihrer intimsten Gestalt.


Der Mitarbeiter, der das Kind forttrüge, ist der reinste Fall der Hand, die sich im Recht fühlt. Er wägt nicht ab, ob er ein Familienglück im Dienst einer Definition zerstört, denn er erlebt sich überhaupt nicht als Zerstörer. Er rettet. Er bewegt sich innerhalb der Vorschrift, unter dem schützenden Dach einer demokratischen Ordnung, und dieses Dach beschirmt nicht nur das Kind, sondern auch sein Gewissen. Es fühlt sich für ihn sogar gut an, weil er dem System dient und das System ihm versichert hat, dass ihm zu dienen heiße, gut zu sein. Hier braucht die Entmenschlichung, die Bandura beschrieb, keinen Funken Hass, es genügt, dass die Familie zum Fall geworden ist, das Kind zur Kennziffer und das Zuhause zur Akte. So wird die wärmste aller menschlichen Bindungen von einem Menschen durchschnitten, der am selben Abend in der Gewissheit nach Hause geht, etwas Gutes getan zu haben. Auch ihm steht jene letzte Freiheit offen, von der dieses Buch spricht. Er könnte sich weigern. Er könnte das Gesicht der Mutter sehen statt des Formulars. Dass er es so selten tut, ist nicht das Werk eines Ungeheuers, sondern der Triumph einer Struktur, die einen anständigen Menschen gelehrt hat, Gehorsam mit Barmherzigkeit zu verwechseln.


Dritter Teil — Das Zeugnis der Geschichte

10. Geschichte als Beweis


Bis hierhin war alles Theorie. Ein Mechanismus, der nur beschrieben wird, bleibt eine Behauptung, mag sie noch so plausibel klingen. Erst die Geschichte verwandelt die Behauptung in einen Befund, denn sie ist das einzige Laboratorium, in dem sich nachprüfen lässt, wozu der Mensch wirklich fähig wird, sobald die Hemmung fällt, die Belohnung lockt und die Verantwortung an einen Befehl abgegeben ist. Was die vorigen Kapitel an Polizist, Richter und Beamtem beschrieben haben, hat die Macht im Maßstab ganzer Völker längst vollzogen. Wer prüfen will, ob dieses Buch übertreibt, muss nur zurückblicken.


Es gibt ein Beispiel, nach dem in Texten wie diesem beinahe reflexhaft gegriffen wird, und gerade deshalb übergehe ich es. Die deutsche Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts ist so oft beschworen worden, dass ihre Beschwörung selbst zur Beruhigung geworden ist. Wer auf sie zeigt, darf sich für einen Augenblick auf der sicheren Seite fühlen, als läge das Grauen sauber hinter einem Datum und einer Grenze, eingeschlossen in ein bestimmtes Volk und eine abgeschlossene Zeit. Genau diese Beruhigung verweigere ich. Denn der Mechanismus, um den es hier geht, ist weder deutsch noch ist er vergangen. Er ist so alt wie die ersten Throne und so jung wie die letzte Verordnung. Um das zu zeigen, brauche ich keine einzige Uniform jenes Regimes, das ohnehin jeder vor Augen hat, sondern die Pyramide, den römischen Palast, das sowjetische Aktenzimmer, den chinesischen Schulhof und das kambodschanische Reisfeld.

11. Der lebende Gott

Ägypten und die Erfindung der vollkommenen Unterwerfung


Wenn man nach dem Ursprung des Mechanismus sucht, der dieses Buch durchzieht, führt keine Spur weiter zurück und keine tiefer als an die Ufer des Nils. Dort wurde vor mehr als viertausend Jahren die vollkommenste Form der Unterwerfung errichtet, die der Mensch je hervorgebracht hat, so lückenlos, so erbarmungslos und zugleich so vollständig getarnt, dass alle späteren Herrscher von ihr nur noch blasse Abschriften anfertigten. Ägypten ist deshalb nicht ein Beispiel unter mehreren. Es ist die Urform, an der jedes weitere Kapitel dieses Buches gemessen werden muss, die Blaupause der Knechtschaft selbst.


Der Pharao war kein König, der über Menschen gebot, sondern ein Gott, der unter ihnen wandelte, Sohn des Ra, lebendiges Abbild des Horus, alleiniger Garant einer Weltordnung, die mit ihm stand und fiel. Darin lag der teuflischste Schachzug, den die Geschichte der Macht kennt. Wer einem gewöhnlichen Tyrannen gehorcht, beugt sich einem Stärkeren und weiß im Innersten, dass auch der Stärkere sterblich ist, dass er stürzen, bluten und verrecken kann wie jeder andere. Wer aber einem Gott gehorcht, beugt sich der Schöpfung selbst, und ihm bleibt nicht einmal mehr der Gedanke der Auflehnung, denn jeder Widerspruch wird dann zur Gotteslästerung und jede Empörung zum Wahnsinn. Hier vollendet sich, was die Psychologie dieses Buches im Kleinen beschreibt. Die Vergöttlichung des Herrschers ist die äußerste Rechtfertigung und die endgültige Alternativlosigkeit, denn gegen einen Gott lässt sich kein Urteil mehr setzen. Die Hemmung wird nicht überwunden, man lässt sie gar nicht erst entstehen.


Man hat lange darüber gestritten, ob die Hände, die seine Pyramiden auftürmten, Sklaven gehörten oder ausgehobenen und notdürftig versorgten Arbeitern, und dieser Streit ist eine Ablenkung, beinahe eine Beleidigung der Toten. Denn ob mit Eisen am Bein oder ohne, der Frondienst zermalmte Leiber zu Zehntausenden. Männer schleppten Steinblöcke, schwerer als ihr ganzes Geschlecht, durch eine Hitze, die das Blut zum Sieden brachte, bis ihnen die Wirbel barsten, die Sehnen rissen und die Lungen aufgaben, und für jeden, den die Last zerquetschte, trat am nächsten Morgen ein anderer an dieselbe Stelle, als wäre nichts geschehen. Und doch ist die zerschundene Schulter nicht das Eigentliche. Die furchtbarste Knechtschaft braucht überhaupt keine Kette. Wem man das Eisen anschlägt, der weiß wenigstens, dass er unfrei ist, und in diesem Wissen glimmt der Funke des Aufstands fort. Wer dagegen seinen Schinder für einen Gott hält, hat die Fessel so tief verschluckt, dass sie ihm als Frömmigkeit erscheint, und er bewacht sich selbst. Er braucht keinen Aufseher mehr, weil er ihn in die eigene Seele aufgenommen hat. Das ist die letzte und gründlichste Versklavung, eine Knechtschaft, die ihre Opfer dazu bringt, die eigene Kette zu küssen, und Ägypten hat sie zur Vollendung getrieben. Was am Fußgelenk fehlte, saß im Kopf, und der Kopf ließ sich nicht abstreifen.


Der Preis war so ungeheuerlich, dass er sich kaum in Worte fassen lässt, und er wurde dennoch widerspruchslos entrichtet. Hunderttausende verbrannten ihr einziges, kurzes Leben dafür, einem einzigen Sterblichen ein Grabmal zu errichten, das größer war als ihre Städte und dauerhafter als ihr ganzes Volk, und sie taten es nicht allein unter dem Stock, sondern aus der eingepflanzten Gewissheit, an etwas Heiligem mitzuwirken. Man muss sich die ganze Obszönität dieser Rechnung vor Augen führen. Ganze Geschlechter, geboren, geschunden und verscharrt, dienten der Eitelkeit eines Mannes, der ihnen versichert hatte, ein Gott zu sein, und der ihre Knochen in sein Fundament verbaute, ohne dass auch nur einer von ihnen den eigenen Namen in den Stein hätte ritzen dürfen. Verwaltet wurde dieses Verbrechen von einer Priesterschaft, der ersten großen Bürokratie der Geschichte, die das Heilige in Listen, Riten und Abgaben übersetzte und so jenes stille Heer der Schreiber und Aufseher vorwegnahm, das vier Jahrtausende später noch immer vollstreckt, was eine Macht verfügt. Auch hier handelte nicht der Gott, sondern die Hand. Der Aufseher mit der Peitsche war ein Mensch wie jene, die er antrieb, getrennt vom Sachbearbeiter unserer Tage durch viertausend Jahre und durch keinen einzigen Schritt der Seele.


Von all dem blieb am Ende nichts als Stein. Percy Shelley hat dem mächtigsten dieser Götterkönige, dem Ramses, den die Griechen Ozymandias nannten, das vernichtendste Denkmal gesetzt, das je ein Dichter einem Tyrannen widmete, indem er ein zerborstenes Standbild in der Wüste beschrieb, auf dessen Sockel noch immer die Worte prahlen: Mein Name ist Ozymandias, König der Könige, seht meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt. Um die Trümmer herum aber dehnt sich nichts als kahler, endloser Sand. Das ist das ganze Erbe der Gottkönige. Berge von Toten, ein zerbrochenes Gesicht im Staub und eine prahlerische Inschrift, über die der Wind hinwegpfeift. Und doch hat jedes Reich, das nach Ägypten kam, denselben Handel von neuem geschlossen und nur den Namen des Gottes ausgetauscht. An die Stelle des Pharao trat der Kaiser, später sprach dieselbe Anmaßung aus der Nation, dann aus der Partei und zuletzt aus dem bloßen Gesetz, doch der Griff nach der Seele, die Verwandlung der Schinderei in geheiligte Pflicht, blieb unverändert. Wer dieses erste Kapitel der Macht begriffen hat, erkennt jedes folgende auf den ersten Blick wieder.

12. Mögen sie hassen

Rom, die Furcht als Werkzeug und die Erfindung des Schuldigen


Tausend Jahre und ein Meer entfernt saß ein Mensch auf einem Thron, der sich keiner Gottheit mehr verdankte, sondern nur noch der nackten Gewalt und der Kunst, geliebt zu werden, während man fürchtete. Nero war kein Ungeheuer von Geburt, er war ein Schauspieler, eitel, begabt, vom Beifall abhängig wie ein Süchtiger von seiner Droge. Gerade darin liegt seine Lehre. Die Tyrannei braucht keine Bestie, sie kommt am liebsten im Gewand des Künstlers und des Charmeurs, der das Publikum für sich gewinnt, ehe es begreift, dass es selbst die nächste Rolle in seinem Stück ist.


Die Römer kannten einen Vers des alten Tragikers Accius, der zum heimlichen Wahlspruch ihrer schlimmsten Herrscher wurde. Oderint dum metuant, mögen sie mich hassen, solange sie mich fürchten. In diesem Satz ist die ganze Psychologie der entgleisten Macht zusammengezogen. Wer einmal entdeckt hat, dass Furcht zuverlässiger gehorcht als Zuneigung, pflegt die Furcht wie ein Gärtner seine giftigste Pflanze. Sueton berichtet, dass Nero, als jemand die Zeile sprach, nach seinem Tod möge die Erde im Feuer vergehen, gelassen erwiderte, nein, lieber solange ich noch lebe. Wenig später brannte Rom.


Was dann geschah, ist die älteste Bewegung des Machtmissbrauchs überhaupt. Der Brand, an dem das Volk ihn verdächtigte, wurde nicht eingestanden, sondern umgelenkt. Nero brauchte einen Schuldigen, und Tacitus hat festgehalten, wie er ihn fand, indem er eine kleine, ohnehin verhasste Gruppe, die Christen, mit ausgesuchter Grausamkeit für das Unglück büßen ließ. So entstand das Feindbild, jenes Werkzeug, das seither jede Herrschaft benutzt, wenn ihr eigenes Versagen sichtbar zu werden droht. Doch Nero hätte ohne seine Hände nichts vermocht. Hinter ihm stand die Prätorianergarde, die tötete, wen er bezeichnete, und um ihn wimmelte das Heer der Denunzianten, gewöhnlicher Bürger, die ihre Nachbarn anzeigten, weil die Anzeige sich auszahlte. Der Senat, voll gebildeter Männer, die jedes Verbrechen kannten, applaudierte. Nicht der Wahnsinn eines Einzelnen hielt diese Herrschaft am Leben, sondern die Bereitwilligkeit Tausender, mitzumachen, solange es Vorteil brachte und das Schweigen das eigene Leben rettete.

13. Die Statistik

Die Sowjetunion und die Verwaltung des Todes


Die Neuzeit hat die Furcht industrialisiert. Was Nero noch mit eigener Hand und persönlicher Laune betrieb, verwandelte das zwanzigste Jahrhundert in Verwaltung, in Plan, in Quote. Unter Stalin wurde der Terror buchhalterisch. Die Vernichtung von Menschen folgte Zielvorgaben wie eine Ernte. Es gab Listen, Kontingente, festgelegte Zahlen für Verhaftungen, und der Beamte, der sein Soll übertraf, wurde befördert, während der zögerte, selbst auf der nächsten Liste landete. Hier reift die schrittweise Distanzierung zu ihrer kältesten Vollendung, denn wo das Töten zur Akte wird, braucht der Tötende kein Gesicht mehr zu sehen.


Zuerst kam der Hunger. Die erzwungene Kollektivierung der Landwirtschaft trieb Millionen in eine Katastrophe, die im ukrainischen Holodomor ihren furchtbarsten Ausdruck fand, einer Hungersnot, die nicht der Himmel schickte, sondern der Apparat verhängte. Dann kam der Große Terror, jene Jahre, in denen das Land sich selbst verschlang, in denen Geständnisse erfoltert und in Schauprozessen verlesen wurden, in denen Angeklagte unter dem Beifall der Versammelten den eigenen Tod beantragten. Der Nachwelt ist ein Satz überliefert, den sie Stalin in den Mund gelegt hat, ob mit Recht oder nicht. Ein einzelner Tod sei eine Tragödie, eine Million Tote aber eine Statistik. Selbst als bloße Legende trifft dieser Satz den Kern der Desensibilisierung. Das einzelne Gesicht erschüttert, die nackte Zahl betäubt, und genau das ist der Zweck der Sprache, die aus Menschen Einheiten macht und aus Mord eine Maßnahme.


Solschenizyn, der den Archipel der Lager von innen überlebte, hat die bequemste aller Lügen zerstört, die Lüge nämlich, das Böse hause stets woanders, in den anderen. Die Linie zwischen Gut und Böse verläuft mitten durch das Herz jedes Menschen, schrieb er, und er erkannte zugleich, was das Massenverbrechen erst möglich macht. Nicht der Sadist richtet die Millionen, sondern der Überzeugte, der Mensch mit einer Idee, die ihm das Töten als Pflicht und als geschichtliche Notwendigkeit erklärt. Wo der gewöhnliche Verbrecher noch zögert, weil ein Rest Gewissen mahnt, handelt der Ideologe ruhig und ausgeschlafen, denn er hält sich für gerecht. Die Ideologie ist das Betäubungsmittel, das die Hemmung dort auflöst, wo selbst die Gewohnheit noch stockt.

14. Die Revolution frisst ihre Kinder

China und die Bewaffnung der Jugend


Im Osten trug dieselbe Maschine ein anderes Gesicht. Mao Zedong wusste, woraus Herrschaft in letzter Instanz besteht, und sprach es mit einer Offenheit aus, die der Westen sich selten gestattet. Die politische Macht, sagte er, komme aus den Gewehrläufen. Und jene, die den Umsturz für ein höfliches Unternehmen hielten, belehrte er mit dem Satz, eine Revolution sei kein Festbankett. Wer die Sprache der Macht so klar beherrscht, lügt nicht über ihr Wesen, er feiert es. Die Ehrlichkeit des Tyrannen ist keine Tugend, sie ist nur die Sicherheit dessen, der keinen Widerspruch mehr fürchtet.

Der Große Sprung nach vorn, mit dem Mao ein Land über Nacht in die Zukunft zwingen wollte, stürzte es in eine Hungersnot, die zu den größten der gesamten Menschheitsgeschichte zählt. Doch das eigentliche Lehrstück lieferte die Kulturrevolution. Denn hier zeigte sich mit einer Deutlichkeit, vor der man zurückweicht, dass die Hände, die folterten, demütigten und erschlugen, nicht einer fremden Soldateska gehörten, sondern den eigenen Kindern. Mao bewaffnete die Jugend, nannte sie Rote Garden und schickte sie gegen die Lehrer, die Eltern, die Älteren, gegen jeden, der nach altem Wissen und nach eigenem Urteil roch.


Hier liegt die Antwort auf die Frage, wozu der Mensch bereit ist, in ihrer frostigsten Gestalt. Es bedarf keiner Berufsverbrecher. Es genügt, einem heranwachsenden Menschen einzureden, er sei auserwählt, sein Hass sei Tugend und seine Grausamkeit der Atem der Geschichte. Die Denunziation des eigenen Vaters wurde zum Beweis der Treue, der Verrat zur Pflicht, das Mitleid zum Verbrechen. Wer begreifen will, wie schnell die zarteste Erziehung sich in ihr Gegenteil verkehrt, sobald eine Macht es befiehlt und belohnt, muss nur auf diese Jahre blicken. Das Kind mit der roten Armbinde ist die furchtbarste aller Hände, weil niemand ihm zugetraut hätte, eine zu sein.

15. Das Jahr Null


Kambodscha und die reinste Gestalt des Mechanismus

Und dann gibt es einen Ort, an dem der Mechanismus seine unverdünnteste Gestalt annahm, als hätte jemand alle Tarnungen abgestreift, um das nackte Prinzip zu zeigen. In Kambodscha erklärten die Roten Khmer unter Pol Pot das Jahr 1975 zum Jahr Null. Die Zeit selbst sollte von vorn beginnen, die Geschichte gelöscht, der Mensch neu gegossen werden. Wo eine Macht die Zeit auf null stellt, hat sie sich vorgenommen, alles auszulöschen, was vor ihr lag, und das Erste, was sie auslöscht, ist der Mensch, der sich noch erinnert.

Die Städte wurden binnen Tagen geräumt, ihre Bewohner aufs Land getrieben, in eine Knechtschaft der Reisfelder, die kein Pharao sich auszudenken gewagt hätte. Wer eine Brille trug, war verdächtig, denn die Brille verriet den Leser, und der Leser verriet das Denken. Lehrer, Ärzte, Mönche, jeder, dessen Geist sich nicht restlos einschmelzen ließ, wurde zum Feind erklärt. Im Foltergefängnis, das die Verwaltung schlicht S 21 nannte, wurden die Opfer vor ihrer Ermordung sorgfältig fotografiert und protokolliert, denn auch das Töten hatte hier seine Aktenführung und seinen geordneten Dienstweg.


Über allem stand ein Satz, der die gesamte Psychologie der Entmenschlichung in eine einzige Formel presst. Dich zu behalten ist kein Gewinn, dich zu beseitigen kein Verlust. Wer einen Menschen so beschreiben kann, hat ihn bereits getötet, lange bevor die Hand sich hebt, denn er hat ihm jene Anerkennung als Mensch entzogen, von der die Psychologie der moralischen Entkopplung spricht. Und wieder waren die Vollstrecker keine Dämonen, sondern Halbwüchsige vom Land, kaum dem Kindesalter entwachsen, denen man eingeredet hatte, das Mitleid sei eine Krankheit der alten Welt. So schließt Kambodscha den Bogen zurück nach China, und beide schließen ihn zurück zu jedem von uns.

16. Wozu der Mensch bereit ist


Die Summe der Reiche und die Rückkehr in unsere Gegenwart

Fünf Reiche, die Jahrtausende, fremde Sprachen und einander unbekannte Götter voneinander trennten, und doch folgten sie demselben Bauplan. An der Spitze stand jeweils ein Mensch oder eine kleine Gruppe, die den eigenen Willen zum Gesetz der Welt erklärte. Darunter wurde ein Feindbild errichtet, an dem die Wut des Volkes sich entlud, statt nach oben zu schlagen, und eine Sprache geprägt, die aus Menschen erst Fälle und Zahlen und am Ende Schädlinge machte. Getragen aber wurde jedes dieser Reiche, ohne eine einzige Ausnahme, von einem Heer gewöhnlicher Hände, das vollstreckte, was oben beschlossen war.


Dies ist die unbequemste Erkenntnis dieses Buches, und keine Sonderlage kann sie entkräften. Die Mörder der Geschichte waren in ihrer überwältigenden Mehrheit keine Wahnsinnigen. Das Stanford-Gefängnis-Experiment führte im Kleinen vor, was die Geschichte im Maßstab ganzer Völker zeigt, dass aus ganz gewöhnlichen Menschen binnen Tagen Peiniger werden, sobald eine Lage ihnen Macht über andere gibt und die Schuld an eine Rolle abtreten lässt. Der Henker braucht keinen Hass. Lord Acton hat das Gesetz, dem all diese Reiche folgten, in einen Satz gefasst. Macht neigt dazu zu korrumpieren, und absolute Macht korrumpiert absolut. Doch er fügte eine Beobachtung hinzu, die noch tiefer schneidet, dass die großen Männer fast immer schlechte Männer seien. Nicht das Monster sollte uns also schrecken, sondern der Umstand, dass die Macht das Monster gar nicht benötigt. Sie benötigt nur den pflichtbewussten Nachbarn, den korrekten Sachbearbeiter, den Mann, der seinen Dienst tut und abends nichts Böses getan zu haben glaubt.


Hier schließt sich der Kreis zu unserer eigenen Gegenwart, zu jenen Strukturen, die sich demokratisch nennen und es vielleicht noch sind. Denn nichts an dem beschriebenen Mechanismus setzt eine Diktatur voraus. Er setzt allein voraus, dass Menschen aufhören, die eigene Hand als ihre eigene zu begreifen. Es genügt, dass der Polizist die Anordnung für ein Alibi hält, dass der Richter sich hinter dem Paragraphen verbirgt, dass der Beamte eine Existenz in unschuldige Teilschritte zerlegt und der Helfer seine Härte für Fürsorge nimmt. In genau dem Maße, in dem sie zu gehorchen bereit sind, ohne zu fragen, sind sie die Aufseher und Prätorianer, die Listenführer und Roten Garden unserer eigenen Zeit geworden. Die Geschichte beweist nicht, dass wir besser geworden sind, sie beweist nur, dass der Mensch derselbe geblieben ist. Was uns von den Vollstreckern der Vergangenheit trennt, ist kein edleres Herz, sondern allein der Umstand, dass man uns den entsprechenden Befehl noch nicht erteilt hat.


Vierter Teil — Die Verantwortung

17. Die Verwechslung von Erfolg und Recht


Am Ende dieses Weges steht eine einzige, unscheinbare Verwechslung, aus der sich alles Übrige speist. Im menschlichen Denken vermischen sich Erfolg und sittliche Richtigkeit beinahe von selbst. Was funktioniert, gilt rasch als legitim, und wer durchsetzt, was er will, erscheint im Rückblick als der, dem das Recht ohnehin gehörte. Doch die Wirksamkeit einer Methode sagt nichts über ihre Gerechtigkeit aus. Dass eine Herrschaft sich behauptet, ihre Gegner zermürbt und ihre Ziele erreicht, beweist allein, dass sie mächtig ist, niemals, dass sie im Recht war. Genau an dieser Stelle beginnt die Verantwortung einer Gesellschaft, die Macht nicht nach ihrem Erfolg zu bemessen, sondern nach dem Preis, den andere für diesen Erfolg entrichten.


Das ist der Grund, weshalb dieses Buch von Demokratie spricht und nicht allein von Tyrannei. Die fünf Reiche der Geschichte führen den Mechanismus in seiner grellen, unbestreitbaren Form vor, doch keiner seiner Bestandteile setzt eine Diktatur voraus. Die Belohnung des Übergriffs, die Erosion der Hemmung, der Reiz der Verfügung über andere, die Rationalisierung und die Hand, die sich für ein bloßes Werkzeug hält, wirken in jeder Ordnung, in der Menschen Macht über Menschen ausüben. Eine Demokratie ist gegen dieses Wirken nicht immun. Sie besitzt nur eine Vorrichtung, die kein Pharao und kein Kaiser duldete, nämlich das eingebaute Recht, die Macht zu befragen, sie zu begrenzen und sie zur Rechenschaft zu ziehen. Dieses Recht ist kein Besitz, der ein für alle Mal gesichert wäre. Es ist eine Übung, die verkümmert, sobald sie nicht mehr vollzogen wird.


Deshalb verschiebt sich die entscheidende Frage am Schluss vom System auf den Einzelnen. Eine Herrschaft besteht nur so lange, wie genügend Menschen bereit sind, ihre Mechanismen zu tragen, denn Gesetze werden von Menschen vollzogen und Gewalt wird von Menschen ausgeübt. Die Macht hat keine Hände als die unseren. Wer das begriffen hat, kann sich nicht länger hinter dem Apparat verstecken, denn der Apparat ist nur die Summe derer, die ihn bedienen. Die Vorschrift gilt allein, weil jemand sie vollzieht, der Befehl wirkt nur durch den, der ihn ausführt, und selbst die Mehrheit entlastet niemanden, weil keine von ihnen die Hand hebt, die handelt. Die letzte und unentziehbare Grenze des Machtmissbrauchs verläuft nicht durch Verfassungen und nicht durch Gerichte, sondern durch das Gewissen jedes Menschen, der gefragt wird, ob er mitmacht. Sie zu verteidigen verlangt keine Heldentat, sondern eine einzige, schwere Bereitschaft. Die eigene Hand zurückzuhalten, bevor ein anderer sie führt, und den Erfolg niemals mit dem Recht zu verwechseln.

Schlusswort: Kein Titel spricht dich frei


Dieses Buch hat keinen Schurken vorgeführt, den man verachten und dann vergessen könnte, sondern einen Mechanismus, der in jedem Menschen dieselbe Tür findet. Es wäre der bequemste Schluss, das Gelesene für einen Bericht über andere zu halten, über die Mächtigen und die längst Verstorbenen, und sich selbst aus der Rechnung zu streichen. Doch wer so liest, hat nichts begriffen, denn die einzige redliche Art, dieses Buch zu beenden, besteht darin, den Blick von den Tätern der Geschichte auf die eigene Hand zu wenden und sich zu fragen, wozu man selbst bereit wäre, wenn man gefragt würde und niemand widerspräche.


Niemand sollte sich in der Gewissheit wiegen, das Beschriebene gehöre einer abgeschlossenen Zeit an. Die Geschichte kehrt nicht im selben Gewand zurück, doch ihre Muster reimen sich, und sie reimen sich am leisesten dort, wo ein Mensch sich für aufgeklärt genug hält, um gegen sie gefeit zu sein. Eine Ordnung, die sich frei nennt, hebt den alten Mechanismus nicht auf, sie verbirgt ihn nur sorgfältiger, indem sie ihm das Vokabular der Vernunft und des Gemeinwohls leiht. Wer wachsam bleiben will, misstraut deshalb nicht zuerst dem offenen Zwang, sondern der freundlichen Selbstverständlichkeit, mit der man ihn auffordert, das Übliche zu tun und nicht weiter zu fragen. Vor allem aber soll dieses Buch eine einzige Zuflucht versperren, die bequemste von allen.


Es ist die Vorstellung, ein Titel könne die Verantwortung tragen, die in Wahrheit nur ein Mensch zu tragen vermag. Ein Rang ist ein Kleid, das man anlegt und wieder ablegt, eine Position nur ein Ort, an dem man eine Weile steht, doch die Hand, die unter diesem Kleid handelt, gehört keinem Amt, sondern dem Menschen, der in ihm steckt. Die Rolle, in die ein Mensch schlüpft, mag ihm einreden, nicht er selbst, sondern das Amt handle, doch das ist keine wirkliche Übertragung der Urheberschaft, sondern eine Selbsttäuschung, die das Gewissen betäubt, ohne die Tat im Geringsten zu verändern. Der Mensch fühlt sich entlastet, und gerade darin liegt die Gefahr, denn entlastet ist er nicht.


Denn kein Titel hat je eine Tat in ihr Gegenteil verkehrt. Wer raubt, bleibt ein Räuber, auch wenn ein Siegel den Raub beglaubigt, und wer ein Kind aus den Armen seiner Mutter trägt, bleibt der, der es tat, auch wenn er sich dabei einen Helfer nennt. Das Amt verleiht der Tat die Form der Rechtmäßigkeit, niemals ihre Unschuld, und an dem Tag, an dem niemand mehr danach fragt, ob das Erlaubte auch gerecht war, schrumpft der Abstand zwischen dem Vollstrecker und dem Verbrecher zu einem bloßen Unterschied der Beleuchtung. Wer das vergisst, wird zum Werkzeug, lange bevor er es bemerkt, und reicht eine Schuld weiter, die am Ende dennoch an seiner eigenen Hand klebt.


Deshalb endet dieses Buch nicht mit einer Forderung an die Mächtigen, sondern mit einer Bitte an den, der ausführt. Halte inne, ehe du tust, was man von dir verlangt, und frage nicht, ob es angeordnet, sondern ob es richtig ist, und gib dich nicht mit der ersten Antwort zufrieden, die dich beruhigt. In diesem kurzen Innehalten, in dem schmalen Augenblick zwischen dem Befehl und der Bewegung, liegt jene letzte Freiheit, die kein Apparat dir je nehmen kann, die Freiheit, die eigene Haltung selbst zu wählen. Sie zu gebrauchen verlangt keinen Heldenmut, sondern allein die Bereitschaft, die Verantwortung nicht weiterzureichen. Nichts an der Macht ist unausweichlich, solange ein einziger Mensch sich weigert, ihre Hand zu sein, und alle Veränderung beginnt mit dem schlichten Entschluss, die eigene Hand nicht länger für die eines anderen zu halten.

Impressum

© 2026 Dawid Snowden. Alle Rechte liegen beim Autor und Rechteinhaber.

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0 Kommentare
anon-7ce24872 · 19.06.2026

ich hab was vergessen, das ich auch noch wichtig finde und zwar zu Dawids Überlegung, ob das Regulieren der Ängste, eine der wichtigsten Lebensaufgaben ist. ich denke ja. nicht nur Angst, sondern alle Gefühlslagen, die wir Menschen empfinden. mit denen hier über viele Generationen dieses schmutzige Spiel gespielt wird. das meine ich mit dem Streben des menschlichen Systems, nach Ausgewogenheit, die derzeit meist nur Schein ist. wenn wir es erreichen alles, was über- oder unterreguliert ist, in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, werden wir in der Lage sein, sozusagen angemessen zu handeln und zu reagieren. in den Essays kann man sich ein umfangreiches Bild von vielen verschiedenen Bereichen machen, in denen unsere Gefühlswelten und Wahrnehmungen manipuliert wurden. Wut, Glücklichsein, streben nach Eigentum und Schaffen, Liebe usw. alle diese Dinge sind im Ungleichgewicht, sie in ein, für sich selbst, förderliches Gleichgewicht zu bringen wäre sinnvoll. keine Überdrehtheiten, keine Minderwertigkeitskomplexe, kein Neid usw

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 19.06.2026

dann noch kurz zum Profi. der Profi hat's voll raus mit der Mustererkennung. der Profi sollte auch immer im Hinterkopf haben, dass die Souveränität, mit der er, zu Recht, in ein Muster einordnet, dazu führen kann, Unterschiede zu übersehen. Unterschiede, die hinter Vertrautem verborgen sind.

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 19.06.2026

ich stimme zu, dass eine gut ausgeprägte Fähigkeit Muster zu erkennen, viele Bereiche des Menschseins stärkt und bereichert. im Text wird auch Bezug auf die Verbindung zu greifbaren Dingen genommen, um den klaren Verstand zu bewahren. die Hand lehrt auch dem Hirn - ja auf jeden Fall. hier die Verbindung zu meinen Fragen. ich will hier natürlicherweise dringend die gute alte Intuition ins Spiel bringen, die in meinem Selbst an sich schon rin Muster ist. das Muster habe ich früh angelegt, zwischendurch habe ich ihm nanchmal nicht vertraut - äußerst ungünstige Auswirkungen. also was sagt uns in einer unbekannten Situation, das etwas im Busch ist - die Intuition (postiv oder negativ), ich kann also das Muster ablegen "immer wenn ich dieses Gefühl habe, tue ich besser was, um etwas zu verhindern oder eher herbeizuführen", wenn die Erfahrung umbekannt ist, tut der Verstand gut daran kreativ (das finde ich total intelligent 😀) zu reagieren. das rein kognitive Muster kann dann angelegt werden, wenn die kreative Handlung geschehen. so kann man doch meinen, dass die Intuition auch so etwas wie die Hand für's Hirn ist. darin sind wir jeder noch so ausgetüftelten KI überlegen, behaupte ich jetzt mal. Vielleicht werden die Aspekte in uns uns einmal den Arsch retten. die Intuition ist nicht greifbar (das ist Denken auch nicht), sie ist erfahrbar und begreibar, so wie Gedanken und andere nicht messbare Dinge. es wäre fatal, würden wir uns auf Empathielose reduzieren. für mich ist Intuition ein Aspekt der Empathie.

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 19.06.2026

also zu Teil fünf, ich hatte den Eindruck der Text hat sich etwas verändert, als ich ihn eben noch einmal las. es ist ein sehr interessantes Thema in Verbindung damit, dass es eine Fähigkeit ist, die der Mensch benötigt um nicht zu brechen. ich würde da so mitgehen, stelle mir allerdings trotzdem die Frage, ob ein Mensch, der das nicht gut kann, zwangsläufig leicht zu brechen ist. im Text steht dass wir in punkto Mustererkennung im Grunde funktionieren wie eine KI, Klein hat ja bei Entwicklungen dieser mitgewirkt. meine Perspektive darauf ist, dass die KI da nach unserem "Vorbild" trainiert wurde und dass beim Menschen noch einige andere Aspekte zur Mustererkennung beitragen. also mehr als der rein kognitive Vorgang, wie es (sowas in der Art) bei einer KI der Fall ist. im Text wird darauf hier und da noch Bezug genommen, ich finde diese Aspekte sind etwas zu kurz gekommen. deshalb: nehmen wir an die Pisser (ihr wisst wer) haben es geschafft einem Menschen/einem Volk alle Erinnerung zu rauben, also alle Erinnerungen, die das Ablegen eines Musters ermöglicht haben. Was könnte noch dazu führen, dass der Mensch erkennen kann, dass eine Sache gewaltig stinkt? oder was hat uns bspw in der Kindheit vor so manch einer üblen Situation bewahrt, als wir weder alt genug waren, noch die nötige Reife besaßen um ein Muster überhaupt abgelegt haben zu können?

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 16.06.2026

Leben Das ist kein Glück Leben Das schmerzende Ich durch die Welt tragen Doch Sein Das ist Glück Sich zu verwandeln In einen Brunnen Ein steinernes Becken In das wie warmer Regen, das Universum fällt das ist von Milan Kundera, hab beim Lesen dran denken müssen. ich verehre ihn nicht (mehr), hab, ganz jung, paar Sachen von ihm gelesen und diese Worte blieben immer in meinem Kopf

Die Erde ist die Hölle
anon-7ce24872 · 14.06.2026

ich behaupte, dass die Psychologie vor allrm dazu da ist, leider, die Menschheit agendatauglich zu manipulieren und dass Inkompetenz hier erwünscht und bewusst hervor gebracht wurde und wird. die Formen, die das jetzt annimmt, halte ich für noch gefährlicher. diese Anzahl derer, die psychologische Probleme haben, ist mittlerweile so hoch, dass dieser ganze Apparat ja völlig überlastet ist. nun ploppen da bspw Apps auf, mit denen sich sogar Jugendliche selbst psychologisch betreuen sollen. oder eine Zeichentricktrulla in der Werbung bei YT singt dem Menschen vor, dass Prokrastination (Progrestination - so hab mal die Sektensprech-Vokabel korrigiert) nicht seine Schuld ist, sondern es ist seine verkehrte Denkweise - ahja, is klar, da dachte ich, die wollen mich hier wohl völlig verarschen. nicht nur dass die, wie üblich, suggerieren, dass es natürlich nicht dieses Systrm ist, dass Menschen gezielt in den Zusammenbruch treibt, nein die schaffen es auch noch einen Verblödungswerbetrailer dieser Art zu kreieren und zu verbreiten, der ihre Inkompetenz rechtfertigt. ich möchte auch gerne noch etwas zum letzten Abschnitt, des fünften Teils im Essay sagen. viele Grüße erst einmal

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