30. December 2025
Der Jahresanfang ist eine Lüge und sie funktioniert nur, weil man sie oft genug wiederholt

Der Jahresanfang ist eine Lüge und sie funktioniert nur, weil man sie oft genug wiederholt

30.12.2025 3 min 9

Man hat den Menschen beigebracht, dass ein neues Jahr mitten im Winter beginnt, in einer Zeit, in der alles stirbt, friert, fault und sich zurückzieht. Man hat ihnen eingeredet, dass ein Kalenderblatt mehr Wahrheit besitzt als die Natur selbst. Und wie bei jeder gut dressierten Illusion funktioniert das nur, solange niemand innehält und eine einfache Frage stellt: Seit wann beginnt neues Leben im Stillstand?


In nahezu allen alten Kulturen begann das Jahr nicht im Dunkel, sondern im Licht. Nicht im Januar, sondern im Frühling. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche, wenn die Erde sichtbar umschaltet, wenn Wachstum beginnt, wenn Zyklen neu starten, wenn aus Tod wieder Leben wird. Pflanzen treiben aus, Tiere werden aktiv, Felder werden bestellt, der Rhythmus der Existenz setzt neu ein. Das war kein Glaube und keine Ideologie, sondern Beobachtung. Der Jahresanfang war naturgebunden, nicht von Schreibtischen und Bürokraten diktiert.


Bis heute hält man an dieser Wahrheit fest – allerdings nicht im Westen. Im heutigen Iran beginnt das neue Jahr mit Nowruz, exakt zum astronomischen Frühlingsanfang. Kein symbolischer Unsinn, kein willkürliches Datum, sondern ein präzise berechneter Sonnenkalender, ausgerichtet am tatsächlichen Lauf der Erde. Mehrere tausend Jahre alt, stabiler als jede politische Ordnung und ehrlicher als jede Verordnung. Nowruz ist kein Relikt, es ist ein Beweis dafür, dass der Mensch nicht zwangsläufig den Kontakt zur Realität verlieren muss.


Auch Europa wusste es einmal besser. Im Römischen Reich begann das Jahr im März. Deshalb heißen die Monate September, Oktober, November und Dezember bis heute siebter, achter, neunter und zehnter Monat. Ein sprachliches Fossil, das den Betrug verrät, den man später darübergelegt hat. Der 1. Januar ist kein natürlicher Anfang. Er ist eine Machtentscheidung. Er wurde eingeführt, um Herrschaft zu synchronisieren, Steuern zu berechnen, Abgaben zu planen und Kontrolle zu standardisieren. Kirche und Staat haben den Jahreswechsel nicht aus der Erde gelesen, sondern aus dem Bedürfnis nach Ordnung, Zugriff und Verwaltung.


Der heutige Neujahrsbeginn ist kein kulturelles Erbe, sondern ein Verwaltungsakt. Ein Startsignal für Buchhaltung, nicht für Leben. Ein Datum, das nichts erneuert, sondern nur fortsetzt, was ohnehin schon läuft. Wer mitten im Winter von Neubeginn spricht, spricht nicht von Natur, sondern von Gehorsam. Von der Bereitschaft, selbst Zeit fremdbestimmen zu lassen.


Die eigentliche Provokation liegt nicht darin, dass der Frühling der wahre Jahresanfang ist. Die Provokation liegt darin, dass wir uns haben abtrainieren lassen, ihn als solchen zu empfinden. Wer den Kalender kontrolliert, kontrolliert die Wahrnehmung. Wer den Anfang definiert, definiert auch das Ende. Und genau deshalb beginnt das Jahr offiziell dort, wo der Mensch am schwächsten ist – nicht dort, wo er wächst.


Ein neues Jahr beginnt nicht, wenn Raketen explodieren und Alkohol die Sinne betäubt. Es beginnt, wenn die Erde atmet und antwortet. Alles andere ist eine gut organisierte Lüge.

0 Kommentare
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SilentHunter493 · 11.07.2026

Danke fürs Hochladen. Hab ich ja schon auf YouTube gesehen. Wird überall geteilt wo es geht. 👍

Der Demokrator - Teil 1
Dawid Snowden · 29.06.2026

:D

Der demokratische Machtmissbrauch
SupiDoofi ✌️😋👻🦔🦆🦔🐀 · 28.06.2026

HuHu ✌️😃👻🦔🐀🦔🦆 wir Sechs machen gerade absolut undemokratisch Frühstück. 🥖🍯☝️😋🍔🦔🍦🐀👻🧀🦔🥚🦆

Der demokratische Machtmissbrauch
anon-7ce24872 · 19.06.2026

ich hab was vergessen, das ich auch noch wichtig finde und zwar zu Dawids Überlegung, ob das Regulieren der Ängste, eine der wichtigsten Lebensaufgaben ist. ich denke ja. nicht nur Angst, sondern alle Gefühlslagen, die wir Menschen empfinden. mit denen hier über viele Generationen dieses schmutzige Spiel gespielt wird. das meine ich mit dem Streben des menschlichen Systems, nach Ausgewogenheit, die derzeit meist nur Schein ist. wenn wir es erreichen alles, was über- oder unterreguliert ist, in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, werden wir in der Lage sein, sozusagen angemessen zu handeln und zu reagieren. in den Essays kann man sich ein umfangreiches Bild von vielen verschiedenen Bereichen machen, in denen unsere Gefühlswelten und Wahrnehmungen manipuliert wurden. Wut, Glücklichsein, streben nach Eigentum und Schaffen, Liebe usw. alle diese Dinge sind im Ungleichgewicht, sie in ein, für sich selbst, förderliches Gleichgewicht zu bringen wäre sinnvoll. keine Überdrehtheiten, keine Minderwertigkeitskomplexe, kein Neid usw

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 19.06.2026

dann noch kurz zum Profi. der Profi hat's voll raus mit der Mustererkennung. der Profi sollte auch immer im Hinterkopf haben, dass die Souveränität, mit der er, zu Recht, in ein Muster einordnet, dazu führen kann, Unterschiede zu übersehen. Unterschiede, die hinter Vertrautem verborgen sind.

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
anon-7ce24872 · 19.06.2026

ich stimme zu, dass eine gut ausgeprägte Fähigkeit Muster zu erkennen, viele Bereiche des Menschseins stärkt und bereichert. im Text wird auch Bezug auf die Verbindung zu greifbaren Dingen genommen, um den klaren Verstand zu bewahren. die Hand lehrt auch dem Hirn - ja auf jeden Fall. hier die Verbindung zu meinen Fragen. ich will hier natürlicherweise dringend die gute alte Intuition ins Spiel bringen, die in meinem Selbst an sich schon rin Muster ist. das Muster habe ich früh angelegt, zwischendurch habe ich ihm nanchmal nicht vertraut - äußerst ungünstige Auswirkungen. also was sagt uns in einer unbekannten Situation, das etwas im Busch ist - die Intuition (postiv oder negativ), ich kann also das Muster ablegen "immer wenn ich dieses Gefühl habe, tue ich besser was, um etwas zu verhindern oder eher herbeizuführen", wenn die Erfahrung umbekannt ist, tut der Verstand gut daran kreativ (das finde ich total intelligent 😀) zu reagieren. das rein kognitive Muster kann dann angelegt werden, wenn die kreative Handlung geschehen. so kann man doch meinen, dass die Intuition auch so etwas wie die Hand für's Hirn ist. darin sind wir jeder noch so ausgetüftelten KI überlegen, behaupte ich jetzt mal. Vielleicht werden die Aspekte in uns uns einmal den Arsch retten. die Intuition ist nicht greifbar (das ist Denken auch nicht), sie ist erfahrbar und begreibar, so wie Gedanken und andere nicht messbare Dinge. es wäre fatal, würden wir uns auf Empathielose reduzieren. für mich ist Intuition ein Aspekt der Empathie.

Sechs Merkmale von Menschen, die sich ni…
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